Die Komponist*innen

Sofia Gubaidulina

Geboren 1931 in Tschistopol in der autonomen russischen Republik Tatarstan. Sie studierte in Kasan und am Moskauer Konservatorium und ist seit 1963 freischaffende Komponistin. In der Sowjetunion fanden ihre Werke jedoch kaum Beachtung und wurden zeitweise mit Aufführungsverbot belegt, da sie nicht den Vorgaben des Sozialistischen Realismus entsprachen. Ihren Lebensunterhalt verdiente Gubaidulina in dieser Zeit zumal mit Filmmusik. Dmitri Schostakowitsch ermutigte sie, ihren Weg konsequent weiterzugehen. 1992 siedelte sie nach Deutschland über, wo ihr Renommee seitdem stetig gewachsen ist. Sie zählt zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Komponistinnen überhaupt und wird weltweit aufgeführt.

Manfred Stahnke

Geboren 1951 in Kiel, lebt in Hamburg. Ab 1966 studierte er in Lübeck, ab 1970 in Freiburg, in Hamburg bei György Ligeti und in den USA bei Ben Johnston Komposition, Musikwissenschaft und Computermusik. 1973 Examen in Musiktheorie und Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg, 1979 Promotion über Pierre Boulez bei Constantin Floros in Hamburg. Im Zentrum seines Schaffens stehen Bühnenwerke wie „Der Untergang des Hauses Usher“ (1981), „Heinrich der Vierte“ (1987) und „Orpheus Kristall“ (2002) sowie Orchesterwerke und Konzerte, die von zahlreichen Ensembles und Orchestern aufgeführt werden. Von 1989-2018 war Stahnke Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Periklis Liakakis

Geboren 1970 in Athen. Er studierte in Athen, London und Wien, wo er für seine Kompositionen Preise und Stipendien vom Österreichischen Bundeskanzleramt, von der Stadt Wien und den Universitäten für Musik und darstellende Kunst Graz und Wien zugesprochen bekam. Seine „sehr aparte Musiksprache“ (Thomas Daniel Schlee) und sein „musikalisch eigener Ton“ (Rodion Shchedrin) stoßen auf wachsendes Interesse bei renommierten Klangkörpern wie Ensemble Modern, Ensemble „die reihe“, dem griechischen Nationalorchester und griechischen Radiosymphonieorchester. Auch erhielt er von verschiedener Seite zahlreiche Aufträge. Seit 2002 unterrichtet er an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Vassos Nicolaou

Geboren 1971 in Limassol auf Zypern; er lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Köln. Er studierte Musikwissenschaften, Klavier und Komposition an der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Weitere Studien dann bei York Höller, Marco Stroppa, Philippe Leroux, Marc-André Dalbavie und Beat Furrer. Mehrere Kompositionspreise und Stipendien, etwa in der Villa Massimo in Rom 2015, flankierten seinen Werdegang. Er forschte am Experimentalstudio des SWR in Freiburg und kooperiert mit bedeutendenSpezialformationen für Neue Musik wie Ensemble Modern, Ensemble Intercontemporain, Ensemble Musikfabrik, London Sinfonietta, Ensemble Schwerpunkt, Das Neue Ensemble oder MAM.Manufaktur für Aktuelle Musik.

Amit Gilutz

Geboren 1983 in Be’er-Sheva in Israel; er lebt in Berlin. Studiert hat er in Jerusalem, Ithaca und New York. Weitere Studien absolvierte er u. a. bei Esa-Pekka Salonen, Brian Ferneyhough, Chaya Czernowin, Doina Rotaru und Michael Jarell. 2016 promovierte er in Komposition, im gleichen Jahr wirkte er in Sarah Nemtsovs Projekt „Mekomot“ mit, in dessen Rahmen in ehemaligen Synagogen in Deutschland Neue Musik und traditionelle jüdische Musik aufgeführt wurden. Er komponiert seit einiger Zeit nicht mehr, sondern wirkt als Therapeut und engagiert sich intensiv in Menschenrechtsorganisationen. Eine Lösung des Nahost-Konflikts zwischen Israel und Palästina voranzubringen, ist ihm ein zentrales Anliegen.

Günter Steinke

Geboren in Lübeck, Studium in Schulmusik und Germanistik in Lübeck und Köln, danach Kompositionsstudium in Freiburg bei Klaus Huber. Er erhielt etliche Stipendien u. a. der Darmstädter Ferienkurse, der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWR und der Akademie Schloß Solitude in Stuttgart .Zahlreiche Aufführungen seiner Werke bei internationalen Festivals und Konzertveranstaltungen. Seit 2004 ist Steinke Professor für Instrumentalkomposition an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er ist Mitbegründer des Festivals „NOW!“ und Initiator vieler weiterer Projekte im Ruhrgebiet. Eine Porträt-CD mit Kammermusikwerken ist 1998 in der Edition Zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrates erschienen.

Jan Müller-Wieland

Geboren 1966 in Hamburg, gehört Jan Müller-Wieland zu den produktivsten Komponisten der Gegenwart. Er schrieb über 150 Werke, darunter auch abendfüllende Opern, Kammeropern und Melodramen, aber ebenso Kammer- und Orchestermusik. Seine Werke werden international von renommierten Solist:innen und Klangkörpern aufgeführt. Als „Composer in residence“ war er beim Menuhin-Festival in Gstaad, beim Beaux Arts Trio oder beim Tschaikowsky-Sinfonie-Orchester in Moskau zu Gast. Für sein Schaffen wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter der Hindemith-Preis des Schleswig-Holstein-Musikfestivals. Seit 2007 hat er eine Professur für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater München inne.

Steffen Schleiermacher

Geboren 1960 in Halle; 1980-85 Studium an der Musikhochschule „Felix Mendelssohn-Bartholdy” Leipzig in den Fächern Klavier, Komposition und Dirigieren. 1986/87 war erMeisterschüler in Komposition an der Akademie der Künste Berlin bei Friedrich Goldmann, 1989/90 absolvierte er ein Zusatzstudium Klavier bei Aloys Kontarsky in Köln. Schleiermacher wirkt als Pianist, Komponist, Festival- und Konzertorganisator; seit 1988 etwa leitet er die Konzertreihe „musica nova“ am Leipziger Gewandhaus, und 1989 gründete er das Ensemble Avantgarde. Ab 1989 unternimmt er weltweite Konzert- und Vortragsreisen. Er machte rund 80 CD-Aufnahmen bei verschiedenen Labels und erhielt zahlreiche Kompositionsaufträge.